Ein Spaziergang im Wald
Wenn man Ruhe und Entspannung braucht, gibt es nichts Schöneres, als einen ausgedehnten Spaziergang im Wald zu machen. Die Harmonie und das Gleichgewicht der Natur lassen einen den Stress, der sich über die ganze Woche angesammelt hat, vergessen. Das leise Geräusch des Vogelgesanges, das Knarren der Äste unter den Füssen ist alles, was man in der Stille hört. Wenn man dann so langsam durch den Wald schlendert, findet man sicher einige Pilze. Dies ist aber oft gar nicht so einfach, vor allem im Herbst. Nach näherem Hinschauen stellt sich heraus, dass es nur ein gefärbtes Blatt von einer Birke ist. So spaziert man oft viele Kilometer durch den Wald, bis man wenigsten ein paar essbare Pilze gefunden hat. Zur Freude der Pilzsammler gibt es Jahre, in denen die Pilze in großen Mengen wachsen, diese sind aber sehr selten und kommen nur alle paar Jahre vor.
Wer sich beim Pilze sammeln nicht so sicher ist, welche nun genießbar sind und welche nicht, kann sich ein kleines Taschenbuch mit den häufigsten Pilzen mitnehmen. Viele Pilze sehen den wirklich genießbaren sehr ähnlich. Es gibt viele Arten von Steinpilzen, einer ist der Sommer-Steinpilz, dann gibt es den Kiefern-Steinpilz, und einen nennt man sogar den schwarzhütigen Steinpilz. Der bitter schmeckende Gallen-Röhrling ist ein klassischer Doppelgänger des Steinpilzes. Sollte man sich trotz dem Bestimmungsbüchlein nicht ganz sicher sein, ob es sich um einen genießbaren Pilz handelt, sollte man sich mit einem Pilzkenner in Verbindung setzen. Das Internet bietet mit seinen vielen Bildern oft eine große Hilfe. Deshalb sollte aber trotzdem unbedingt darauf geachtet werden, dass nur Pilze verspeist werden, die auch wirklich zweifelsfrei erkannt wurden.
Hat man die Gewissheit, dass sich lauter genießbare Pilze im Körbchen befinden, kann man sich gleich zu Hause an das Putzen machen. Niemals unter fließendem Wasser die Pilze waschen. Viel besser können sie mit einem Messer und einer Bürste von Tannennadeln und Erde gereinigt werden. Aus diesen frischen Pilzen lässt sich ein nun eine tolle Mahlzeit zaubern. Als erstes gibt man in einen mittelgroßen Topf einen Esslöffel gute Butter. Wenn diese zerlaufen ist, wird etwas Mehl eingestreut, damit man eine Mehlschwitze herstellen kann. Danach wird mit Wasser aufgegossen. Die geputzten Pilze, eine geschälte Zwiebel und eine Knoblauchzehe kommen in den Topf. Mit einem Lorbeerblatt, etwas Salz und Pfeffer werden die Pilze gewürzt, nun kann man alles bei niedriger Temperatur fertig garen.
Einige Minuten vor Ende der Garzeit gibt man etwas Essig hinzu, und schmeckt alles mit einem Schuss Sahne ab. Hierzu schmecken bayrische Reibeknödel. Dieses Gericht kann man auch etwas abwandeln, indem man den Essig einfach weglässt und dazu Semmelknödel oder Salzkartoffeln reicht. Mit diesen Schätzen aus dem Wald kann man so manches Gericht zaubern. Rezepte dafür gibt es genug. Pilze sammeln zu gehen ist sehr vielseitig. Zum einem bekommt man dabei etwas Bewegung an der frischen Luft, zum anderen füllt sich nach und nach die Gefriertruhe für den Winter. Eingefrorene Pilze kann man bis zu einem Jahr lagern. Vor allem in der kalten Jahreszeit ist eine richtige Schwammerlsuppe genau das Richtige für durchgefrorene Knochen.
In der früheren Zeit wurden die Pilze getrocknet und so manche Familie konnte sich mit den gesammelten Pilzen eine günstige und reichhaltige Mahlzeit kochen. Da man in dieser Zeit sehr wenig zu Essen hatte und noch weniger Geld, war man froh, wenn wenigstens Pilze in der Vorratskammer standen. Aus Mehl, Wasser und etwas Salz, wurden sogenannte Nockerl gekocht, die zu der Pilzsuppe gegessen wurden. Wer glaubt, dass früher jeder einen eigenen Teller hatte, irrt gewaltig. Es wurde gemeinsam aus einer großen Schüssel gegessen. Trotzt des wenigen Essens, das die Leute früher hatten, lebten sie gesünder. Sie hatten viel mehr Bewegung an der frischen Luft, als in der heutigen Zeit.
Heike Werner
